Geburtshilfe

Sehr früh das Licht der Welt erblickt

Patientengeschichte des kleinen Mads

Die Schwangerschaft von Jessica verläuft bis zur 24. Schwangerschaftswoche ganz normal. Plötzlich treten Komplikationen auf. Im Geburtszentrum der Westküstenkliniken entscheiden sich die Ärzte daraufhin für einen Kaiserschnitt. Am 19. November 2015 kommt Mads zur Welt – 410 Gramm leicht.

Glücklichster Tag des Lebens

Ein paar Jahre später an einem sonnigen Sommertag: Während Jessica von dieser Zeit erzählt, springt Mads fröhlich durch das Spielzimmer der Kinderstation. Wie alle anderen Zweijährigen dieser Welt interessiert er sich nicht besonders für das, was die Erwachsenen gerade zu besprechen haben. Das große Parkhaus aus Plastik hat es ihm mehr angetan. Nur ab und an kommt er an den Tisch, angelt sich eine kleine Brezel aus einer Tüte und spielt weiter. 

Zurückblickend sagt Jessica, dass der 19. November 2015 der glücklichste Tag in ihrem Leben gewesen sei. Denn ohne den Not-Kaiserschnitt damals wäre Mads gestorben. Dass er heute – zweieinhalb Jahre später – vergnügt das Leben genießt und in den Kindergarten kommt, gleicht daher fast einem Wunder. Dies ist auch der intensiven Betreuung durch das Perinatalzentrum der Westküstenkliniken in Heide zu verdanken.

Dr. Reinhard Jensen zur Geburt des Frühchens

„Mads war extrem leicht. Normalerweise wiegen Kinder, die in der 24. Schwangerschaftswoche geboren werden, zwischen 550 und 750 Gramm“, erklärt Dr. Reinhard Jensen, Leitender Oberarzt am Perinatalzentrum. Die Situation kurz nach der Geburt bilanziert Jensen als „sehr fragil“ und Mads Vater Kim erzählt: „In den ersten drei Wochen hatte ich richtig Angst, dass etwas passieren kann.“ Seine Frau traute sich auch erst an Weihnachten nach Hause. „Vorher wollte ich nicht einmal das Krankenhausgelände verlassen“, erinnert sich Mads Mutter. Dabei habe sie tief in ihrem Herzen gespürt: „Dieses Kind wird nicht sterben.“

Mit dem Känguruhen wuchs die Hoffnung

Beim Känguruhen werden die Frühchen auf die nackte Brust der Mutter oder des Vaters gelegt, um eine Beziehung zu den Eltern aufzubauen. Bei Mads war es gut eine Woche nach seiner Geburt so weit, dass er aus dem Inkubator genommen werden konnte und zu seinen Eltern durfte. „Das war unheimlich wichtig“, erzählt Vater Kim. „Denn von da an war er für uns spürbar und wir hatten die Möglichkeit, ihm durch unsere Nähe wirklich zu helfen.“

Dr. Reinhard Jensen bezeichnet das Känguruhen als einen sehr wichtigen therapeutischen Ansatz. Gerade in der speziellen Situation, in der Mads sich befand, war das „Känguruhen ein wichtiger Aspekt“, so Jensen. Er erklärt: „Die Zuwendung und angemessene Förderung durch die Eltern und gegebenenfalls Geschwister ist für die spätere Entwicklung der Kinder mindestens genauso wichtig, wie die Behandlung mit Medizin, Pflege und Therapeuten.“

Unterstützung durch das Perinatalzentrum

Neben dem kleinen Mads bekommen auch die Eltern Unterstützung im Perinatalzentrum. Denn die Begleitung eines frühgeborenen Kindes ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Das mussten auch Jessica und Kim erleben. Denn obwohl die Entwicklung von Mads aus der Sicht der Mediziner einen „unproblematischen Verlauf“ nahm, gab es Höhen und Tiefen. Zum Beispiel fiel dem Jungen das selbstständige Atmen deutlich schwerer, als zunächst gedacht. 

„Das Gute ist, dass wir hier professionelle Hilfe bekommen haben, um mit solchen Situationen umzugehen. Wir konnten mit Menschen sprechen, die einen objektiven Blick hatten. Das war gut“, sagt Kim. Und seine Frau ist noch immer beeindruckt von der Ruhe, die von den Mitarbeitern des Perinatalzentrums vermittelt wird. „Vielleicht gab es mal kritische Situationen. Aber wir haben diese nie gespürt“, erzählt Jessica.

Nach vier Monaten ging es nach Hause

An den Zeitpunkt, an dem ihr Sohn über den Berg war, können Jessica und Kim sich nicht mehr erinnern. „Er hat sich eher über den Berg geschlichen“, erzählt Jessica lächelnd. Nach vier Monaten durften die Eltern ihren Sohn dann endlich mit nach Hause nehmen. Doch als Mitte März 2016 die Entlassung anstand, überwogen bei den Eltern fast Wehmut und Sorge. Denn zum einen war der jungen Familie die Klinik ein zweites Zuhause geworden, zum anderen musste Mads anfangs auch im häuslichen Umfeld noch Unterstützung bei der Atmung bekommen. Doch bereits im darauffolgenden Mai konnten die Geräte wieder abgeholt werden. 

Betreuung nach der Entlassung aus dem WKK

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus übernahm der Bunte Kreis Nord die Betreuung der Familie. Dabei hat er für Mads Physiotherapie und andere unterstützende Angebote organisiert. „Außerdem können wir jederzeit unsere Betreuerin beim Bunten Kreis, Nadine Lindemann, anrufen, wenn wir Fragen haben oder Hilfe brauchen“, erzählt Jessica und freut sich, dass sie viele der Unterstützungsleistungen gar nicht mehr brauchen, weil Mads sich einfach gut entwickelt. „Man merkt ihm seine Frühgeburtlichkeit gar nicht mehr an“, sagt sie. 

Die kleine Familie vergrößert sich: Ein Bruder für Mads

Die gute Entwicklung ihres ersten Sohnes hat Jessica und Kim Mut gemacht, noch ein zweites Kind zu bekommen. Auch die Gynäkologen der Westküstenkliniken hatten Jessica in einem Beratungsgespräch in ihrem Kinderwunsch bestärkt. Im Januar kam Mads kleiner Bruder Rune planmäßig auf die Welt. Der brachte bei der Geburt zwar immerhin fast achtmal so viel Gewicht auf die Waage wie damals sein großer Bruder. Doch sowohl Jessica und Kim als auch Dr. Jensen sind zuversichtlich, dass man diesen gewichtigen Startvorteil nicht mehr erkennen wird, wenn beide Jungs größer sind.